Im Film erzählen fünf Personen in ihrem alltäglichen Umfeld Geschichten, die sie nie erlebt haben. Sie geben die Berichte von Betroffenen des Frauenhandels wieder. Die Geschichten brechen in den Alltag ein. Sie erzählen von falschen Versprechungen, Verschuldung und Täuschung, Zwang, Gewalt und Ausbeutung, von Nötigung, Drohung und Sklaverei. Das sind die Mechanismen, die Frauenhandel definieren. Die Gesetzgebung schützt die Migrantinnen nicht. Ganz im Gegenteil, meist werden sie kriminalisiert.
Der Film bringt die Erzähllogiken von filmischer Fiktion, dem was-geschehen-könnte und Dokumentation, dem was-geschehen-ist in ständig neue Beziehungen zueinander: Stilisierte Bilder geben Einblicke in den Alltag eines Grenzbeamten, eines Bordellkellners, einer Nachbarin, einer Konsulin und eines Taxifahrers. Die Sequenzen sind zu konstruiert, um dokumentarisch zu sein, der Alltag wird zum Filmischen verfremdet.
Die Menschen, Orte und Situationen sind aber real - es handelt sich nicht um SchauspielerInnen in einer Filmkulisse, sondern um Personen in ihrem alltäglichen Umfeld – die erzählten Geschichten stimmen allerdings nicht mit ihren eigenen Erlebnissen und Erfahrungen überein.
Die Oberfläche der Bilder wird von anderen Geschichten durchbrochen, die als Texte rezitiert werden. Alle Orte, die der Film zeigt, kommen in den realen Geschichten der Frauen vor. Sie erzählen von Wirklichkeiten, die geschehen sind und die an den Orten, die gezeigt werden, geschehen hätten sein können. Indem das Dokumentarische, das Konstruierte, das Narrative sich ständig gegenseitig unterlaufen, entsteht der Effekt einer doppelten Verfremdung, die jegliche Identifikation mit den ProtagonistInnen verweigert. Damit arbeitet der Film die Momente der Verstrickung des Alltäglichen mit den Geschichten des Frauenhandels heraus.
Auszeichnungen für diesen Unterrichtsfilm:
Pressestimmen:
Anja Salomonowitz’ zwischen Dokumentation und Abstraktion vermittelnder Film erzählt von Prostitution und Hausmädchen, von Macht und Ohnmacht, vom Ausgeliefertsein in fremden Umgebungen. Salomonowitz entscheidet sich in ihrem streng strukturierten Film dagegen, vordergründige Empörung oder nur Empathie zu erheischen und bricht stattdessen die Mechanismen von Identifikation auf. Aus der Jury-Begründung für den Wiener Filmpreis, Viennale 2006.
Das doppelbödige Spiel mit Realität und Realitätswahrnehmung verdichtet sich zur spannend-erhellenden Analyse gesellschaftlicher Missstände. Filmdienst.
Die semi-dokumentarische, äußerst durchdachte Inszenierung entzieht das Thema Menschenhandel sowohl dem reißerischen Boulevard, als auch dem anklagenden Politkino und gewinnt ihre Spannung und Tiefe stattdessen aus der Reibungsenergie der verschiedenen Ebenen Critic.de.
DVD-Extras:
Unterrichtsmaterial im ROM-Teil.
Interview mit Anja Salomonowitz (15 Min.).
Fotogalerie.
Trailer.
Regie: Anja Salomonowitz.
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Fair Trade (DVD) Unterrichtsmaterial (29,00 EUR, inkl. MwSt.) |
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Menschenrechte (DVD) Unterrichtsmaterial (49,90 EUR, inkl. MwSt.) |
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